Statements


Mit den Partnern aus den Bereichen Politik, Wissenschaft, Energiewirtschaft und ostdeutschem Mittelstand ist das Ostdeutsche Energieforum fest in der Energiebranche verwurzelt. Während in den vergangenen Jahren immer noch einzelne Stimmen das Für und Wider der Energiewende an sich diskutieren wollten, sind diese kräftezehrenden Diskussionen 2020 vollkommen verschwunden. Alle Teilnehmer*innen treiben die Energiewende auf ihre eigene Weise voran und ringen gemeinsam um den besten Weg. Der konstruktive Rahmen setzt Kräfte frei und erlaubt dem Ostdeutschen Energieforum den innovativen Blick nach vorn.

Prof. Dr. Ing. Jens Schneider, Honorarprofessor für Energiesystemtechnik an der HTWK Leipzig, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Energiesystementwicklung, Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW, Leipzig


„Klimaschutzmaßnahmen sind keine Konjunkturbremse, sondern ein Konjunkturturbo. Um Wirtschaft und Verbraucher zu entlasten und gleich-zeitig konjunkturelle Impulse zu geben, schlagen wir vor, die EEG-Umlage in einem ersten Schritt bei 5 ct/kWh netto zu deckeln und zugleich die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken. Die Energiewende betrifft alle Sektoren – Strom, Verkehr, Wärme, Landwirtschaft etc. Daher sollten auch die Kosten von allen getragen werden – der Stromkunde kann nicht länger die gesamten Energiewendekosten allein tragen. Das System der Steuern, Abgaben und Umlagen sollte somit auf neue Füße gestellt werden.“

Dr. Stephan Lowis, Vorstandsvorsitzender der envia Mitteldeutsche Energie AG


„Als Marktplatz der Ideen bleibt das Ostdeutsche Energieforum gerade in Zeiten der Digitalisierung sowie der Energie- und Verkehrswende überaus wichtig. Besonders bei aktuellen Schlüsselaufgaben, wie zum Beispiel dem Thema Wasserstoff, geht es ja um gemeinsame Lösungen mit vielen Partnern. Das Ostdeutschen Energieforum ist auch bei diesem Thema die ideale Plattform zur regionalen Vernetzung.“

Ulf Middelberg, Geschäftsführer der Leipziger Gruppe und der Leipziger Verkehrsbetriebe

 


„Wir sind mitten im Prozess der Energiewende. Bei diesem Zukunftsthema ist es wichtig, dass wir eine breite gesellschaftliche Verankerung erreichen. Je klarer dabei die Leitplanken der Politik sind, zum Beispiel in Sachen Elektromobilität, Förderung Erneuerbarer Energien oder Netzentgelte, desto schneller kommen wir in diesem Prozess voran. Auf dem Ostdeutschen Energieforum wird diese kreative Diskussion deutlich.“

Dr. Maik Piehler, Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke


„Um eine vollständige Dekarbonisierung des Energiesystems erreichen zu können, werden klimaneutrale Gase wie Biogas und Wasserstoff eine zentrale Rolle spielen. Klar ist: Deren Einsatz muss sich im wettbewerblichen Umfeld bewähren. Daher ist die Erschließung von Absatzmärkten und die Abschaffung von Hürden für die Nutzung klimaneutraler Gase ein essenzieller Schritt, um Anreize für Investitionen in die entsprechen-den Technologien zu setzen. VNG geht in Mitteldeutschland mit dem „Energiepark Bad Lauchstädt“ bei Produktion, Speicherung & Transport von grünem Wasserstoff voran. Ostdeutschland insgesamt könnte in Punkto Wertschöpfung beim Aufbau einer klimaneutralen Wasserstoffwirtschaft profitieren. Wir dürfen uns aber auch nicht unseren strukturellen Nachteilen verschließen: Die ostdeutsche Wirtschaft ist sehr kleinteilig. Noch fehlt es für den Aufbau einer nachhaltigen Wasserstoffwertschöpfung in Ostdeutschland an einer „kritischen Masse“ und Zugpferden für großvolumige Projekte.

Um diese strukturellen Nachteile auszugleichen, müssen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft beim Thema Wasserstoff viel enger zusammenarbeiten. Unsere Ideen dürfen nicht an Landesgrenzen Halt machen. Nur mit Schwarmintelligenz und länderübergreifender Zusammenarbeit schaffen wir neue Wasserstoff-Wertschöpfung in Ostdeutschland. Das Ostdeutsche Energieforum kann diese Schwarmintelligenz abbilden. Dies gilt es weiter auszubauen.“

Hans-Joachim Polk, Vorstand Infrastruktur/Technik der VNG AG


„Speicher und verlässliche steuerbare Kraftwerkskapazitäten sind unverzichtbar, damit der langfristige Umbau zu einem 100% erneuerbaren Energiesystem gelingen kann. Trotz eines immer größeren Anteils von erneuerbaren Energien bleibt gesicherte und steuerbare Leistung unverzichtbar. Wind und Sonne allein können heute noch keine sichere Stromversorgung garantieren. Wir brauchen auch noch für mindestens eine Generation regelfähige Kraftwerke. Die Entwicklung bestehender Kraftwerksstandorte ist eine zentrale strategische Aufgabe, in dessen Mittelpunkt das Konzept der Innovationskraftwerke stehen muss. Sowohl Speicher als auch neue verlässliche

Kraftwerkskapazitäten brauchen Planungs- und Rechtssicherheit sowie einen geeigneten Marktrahmen. So genannte Innovationskraftwerke müssen an bestehenden Standorten so rechtzeitig realisiert werden, dass wir ohne Brüche den Übergang von der Braunkohle zu CO2-ärmeren Technologien schaffen. Damit dies gelingen kann besteht, bereits heute ganz konkreter Bedarf, z.B. bei der Anbindung dieser Kraftwerksstandorte an das Erdgasnetz. Außerdem brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen zur Sicherung der Wirtschaftlichkeit dieser Innovationskraftwerke. Das Thema „Stromspeicherung“ muss volkswirtschaftlich umfassend, d.h. sektorenübergreifend betrachtet und bearbeitet werden. Unabhängig von Technologien und Energieträgern muss eines gelten: das Stromsystem muss stabil und sicher bleiben!“

Dr. Helmar Rendez, Vorstandsvorsitzender der Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG


„Als Podiumsdiskussions-Teilnehmer des Ostdeutschen Energieforums 2020 ziehe ich ein überaus positives Fazit, insbesondere bezüglich folgender Quintessenz: Neue Geschäftsmodelle sind gerade in Bezug auf wertvolle Materialien, Metalle und im Energiebereich nötig und möglich (Service-Modelle, Produkte als Dienstleistungen, Materialienbanken), dies hat das Energieforum verdeutlicht. Insbesondere in Sachsen, wo das Metall Indium entdeckt wurde, gibt es ein Verständnis und eine große Innovationschance hierfür. Damit Sachsen und Europa in Zukunft konkurrenzfähig bleiben können, müssen die vorhandenen Vorteile im Bereich der Diskussion und des Bewusstseins bezüglich Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit von Produkten und deren Herstellungsprozessen endlich in die Tat umgesetzt werden!“

Prof. Dr. Michael Braungart, Leuphana Universität Lüneburg, Braungart EPEA – Internationale Umweltforschung Hamburg


„Der Stress im Stromnetz nimmt durch den Kernenergieausstieg und den beschleunigten Kohleausstieg zu. Zumal der Netzausbau weiterhin weit hinter dem Ausbau der Erzeugungskapazitäten aus Photovoltaik und Windkraft zurückbleibt. Derzeit ist nicht erkennbar, dass diese Lücke in absehbarer Zeit und akzeptabler Weise geschlossen wird. Das OEF war diesjährig mit vollem unternehmerischem Eigenengagement Ausdruck der ostdeutschen Innovationsstärke nicht nur im Bereich der EE. Letztere sind jedoch die herausragende Chance, mit mehr als 33% Anteil am Gesamtverbrauch in Ostdeutschland stark und zieltreibend die klimanotwendigen und machbaren Innovationen massiv zu treiben. Nicht ohne Grund sind Ansiedlungen wie die von Tesla nach Brandenburg gelangt; Start-ups siedeln sich um die Wissenschaft und Wirtschaft herum dort an, wo die digitalen und wirtschaftlichen Möglichkeiten vorhanden sind. Das OEF im Hybridformat mit sehr großer digitaler Teilnehmerzahl war hochkarätig besetzt, was für die Bedarfe in diesem Segment spricht. Innovation ist der Zukunftstreiber, gleich in welcher herausfordernden Zeit.

Summarisch wollen wir als Mittelstand die Prozesse gemeinsam gestalten und in Leitbildern arbeiten, die über reine Projektideen konkret herausgehen. Wir wollen die Deregulierung vorantreiben. Wir wollen wertschöpfende Arbeitsplätze aus neuen Industrien entstehen lassen. Wir wollen weiter gute Qualität zeigen und innovativ herstellen, die klimagerecht ist und abgenommen wird – Made in Germany!“

Anette Ehlers, Geschäftsführerin der NONA GmbH 


„Trotz der Senkung der EEG-Umlage bleibt dies eine fortwährende Belastung für alle Stromverbraucher. Die CO2-Steuer wird die alternativen Energieerzeuger entlasten. Wie stark wird natürlich vom (gesellschaftlichen) Druck zum Wandel abhängen. Zum Beispiel liegt der PV-Effizienz in guten Zeiten bei aktuell 25 Prozent, bisher 15 Prozent. Viel besser steht hier die Solarthermie da, die bei 60 bis 80 Prozent Energie-Effizienz bei der Sonne liegt, wir aber noch viel weniger genutzt. Im Bereich der Wärme besteht noch ein extremes Potenzial, da die Wärmewende erst zu 14 Prozent vollzogen ist (Strom-ende 43 Prozent). Die Wertschöpfung aus der laufenden Kohleverstromung muss durch adäquate Maßnahmen und Projekte aufgefangen werden, wenn der Kohleausstieg gelingen soll. Umsetzung von Infrastrukturprojekten reicht allein nicht aus. Es müssen Unternehmen nachwachsen! Anschub von Gründungsinitiativen ist notwendig. Hierfür ist eine Entbürokratisierung zwingen für alle Unternehmen, besonders für kleine und mittelständischen Unternehmen zwingend erforderlich. Die Strom-, Wärme- und Mobilitätswende werden eine Vielzahl von Technologien nutzen. Die Technologieoffenheit ist zwingend erforderlich, Förderung darf dabei keine Technologien bevorzugen.“

Ullrich Hintzen, Vorsitzender der FASA AG


„Ich habe bei diesem Ostdeutschen Energieforum zum ersten Mal empfunden, dass die Mehrheit der Referenten und Teilnehmer über die Energiewelt von Heute und Morgen offen und nach vorn gerichtet diskutiert hat. Wir waren früher oft eher beim Bewahren, Erhalten, Begründen… alles richtigerweise motiviert durch die Notwendigkeit an Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit.

Es hat dieses Jahr, unter weiterer Berücksichtigung der zwei oben genannten wesentlichen Ziele, das wesentliche dritte Ziel – der Klimaschutz - ebenbürtig Platz in den Diskussionen gefunden. Das stimmt mich sehr positiv, auch für das Ostdeutsche Energieforum und seine Zukunft.“

Christophe Hug, Geschäftsführer der Tilia GmbH

 


„Es zeigt sich, dass kostengünstige alternative Energien durch Wind, Biomasse und Photovoltaik vorhanden sind. Die neuen Technologien erstrecken sich auch auf den Sektor Wärme. Eine Verteuerung ergibt sich hauptsächlich durch die gestiegene Bürokratie und Deutschland hat die höchsten Energiepreise in Europa/Welt. Besonders betroffen ist Ostdeutschland und die ansässigen kleinen und mittelständischen Unternehmen, was für Abwanderung von Industrie und damit auch von Arbeitsplätzen sorgt.“

Kurt Kirpal, Gründer der KET Kirpal Energietechnik GmbH Anlagenbau & Co. KG


„Das Ostdeutsche Energieforum hat sich innerhalb kürzester Zeit in ein Energiewendeforum gewandelt, welches für unser Unternehmen die wichtigste Plattform der Energiebranche darstellt, da hier Vertreter der „alten“ und „neuen“ Energiewelt und die Politik auf höchster Ebene zusammenkommen. Die bedeutendste Erkenntnis des diesjährigen Forums war die Nachricht, dass der Schweizer Konzern Meyer-Burger neben seinem bereits in Sachsen bestehenden Hauptstandort im Maschinenbau die Solar-modul-Produktion in Bitterfeld und Freiberg wieder ausbauen und zurück auf Weltniveau bringen will. Die Photovoltaik ist bereits jetzt auch in Deutschland der mit Abstand preiswerteste Energieträger und wird daher zum „Öl der Zukunft“ werden (Zitat Gunter Erfurt). Die Aktivisten der Bewegung „Fridays for Future“ sind eine besondere Bereicherung des Forums. Die Klarheit, Logik und durchaus Realitätsnähe deren Argumentation überzeugt und stellt so manchen etablierten Podiumsredner in den Schatten.“

Danny Wehnert, Geschäftsführer der Leipziger Energiegesellschaft mbH & Co KG